Wimmelbild: Vogelparty an den Kleipütten

So Leute, jetzt seid ihr mal gefragt Ich schreibe ja immer was zu der jeweiligen Art auf den Fotos, heute müsst ihr mal schreiben: Wieviele verschiedene Arten und welche könnt ihr entdecken?

Foto 1 zeigt die ganze Szenerie mit allen Arten, die anderen jeweils einen Ausschnitt kurze Zeit danach mit einigen Arten im Detail. Foto 5 wollte ich erst weglassen, wäre aber vll etwas fies gewesen, da sie sonst nirgends scharf drauf waren.

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Na, alles entdeckt? Zu sehen gibt es 8 Arten: Löffler, Stockente, Löffelente, Blässhuhn, Pfeifente, Krickente, Stockente x Hausente Hybrid & Bekassine – oder 7, falls man Hybride nicht als Extra-Art zählt.

Etwas blass um die Nase ;)

Das ist bei dieser Gans allerdings normal, denn oberhalb vom Schnabel befindet sich die namensgebende Blässe – ähnlich wie bei der Blässralle. Ein weiteres markantes Merkmal sind die tiefschwarzen Querstreifen auf dem Bauch. Allerdings sind diese beiden auffälligsten Merkmale nur bei adulten Tieren zu sehen.

Je nach genauem Alter zeigen juvenile Blässgänse noch gar keine oder nur eine schwach ausgebildete Blässe und auch noch keine schwarzen Streifen auf dem Bauch. Immerhin der rosa Schnabel ist auch bei den jungen Blässgänsen ein zuverlässiges Merkmal.

Sehen kann man Blässgänse bei uns auf dem Durchzug und beim Überwintern, es sind nämlich Vögel, die weit im Norden brüten: in Grönland un Sibirien. Die Fotos sind im September am Wattenmeer entstanden.

Sieht man heutzutage eher auf dem Durchzug als zur Brutzeit

Den Steinschmätzer, hier im orangefarbenen Schlichtkleid. Im Prachtkleid erinnert das Gefieder des Männchens an den Raubwürger: Grau und Weiß mit schwarzer Augenbinde und Flügeln.

Im September am Wattenmeer konnten wir Unmengen an Steinschmätzern sehen, die gerade auf dem Durchzug waren. Sie sind ausgesprochene Zugvögel, denn obwohl der Steinschmätzer mit seinen vielen Unterarten über einen weiten Gürtel von Eurasien bis über nach Alaska und den Nordosten Kanadas vorkommt, ziehen alle weltweit im Herbst nach Afrika südlich der Sahara.

Die Situation in Deutschland mit aktuell nur noch 2.000-3.000 Brutpaaren und einem seit Jahrzehnten steilen Abwärtstrend wird in wenigen Jahren ohne konsequente Gegenmaßnahmen zu einem sicheren Aussterben führen. Auch in anderen mitteleuropäischen Ländern sieht es mitunter nicht besser aus. Hat der Steinschmätzer so hohe Ansprüche? Eher das Gegenteil ist der Fall: Als Habitat bevorzugt der Steinschmätzer offenes Gelände mit karger Vegetation und Nischen für die Brut wie Steinhaufen und Felsspalten. Geboten wird das von Heiden, ehem. Truppenübungsplätzen als Naturschutzgebieten, Steinhängen, Kies- und Sandgruben sowie steinigen Küsten.

Im Lebensraumverlust liegt dann auch die Ursache am Verschwinden dieser Art: Brachflächen werden zu Bauland (60 Ha werden täglich versiegelt), Sandheiden wachsen durch immer höhere Eutrophierung zu oder werden aufgeforstet (mehr Wald an sich muss keine ausschließlich positive Sache sein), ehem. Weiden werden zu Hochleistungswiesen oder Ackerland.

Kurzum, was uns Menschen als Fläche ungenutzt und verödet erscheint und „beackert“ und umgewandelt und effizient werden muss, ist genau das, was dem Steinschmätzer eig. schon ausreicht.

Spießenten ohne Ende

Diese elegant geformte Gründelente sieht man bei uns nicht so häufig, denn sie brütet hauptsächlich in Nord- und Osteuropa. Vor allem auf dem Durchzug und auf einigen Überwinterungsplätzen, kann man sie auch in Deutschland sehen. Mit dem namensgebenden Spieß ist die, beim Erpel im Prachtkleid, extrem verlängerte mittlere Schwanzfeder gemeint, die beim Weibchen zumindest ein wenig länger als bei anderen Enten ist. Hier auf den Fotos vom September ’21 sieht man die Spießenten im Schlichtkleid und daher sind die Spieße nur minimal ausgebildet, aber dennoch gut zu erkennen.

Wir wurden an diesem Tag regelrecht überrumpelt, da uns innerhalb weniger Minuten gleich 7 Schwärme von Spießenten a’ 20-250 Individuen überflogen haben. Insgesamt haben uns da ca. 530 Individuen überflogen. Etwas, was einem vermutlich nur am Wattenmeer passiert.

Sieht man nicht so oft und ist selten geworden: Der Wiesenpieper

Auch, wenn die Pieper recht große Ähnlichkeit mit einigen unserer Lerchen aufweisen, sind sie näher mit den Stelzen verwandt. Mit 36.000-57.000 Brutpaaren in Deutschland ist der Wiesenpieper ca 7x seltener als der nah verwandte Baumpieper.

Diese Wiesenpieper hier konnten wir im September am Wattenmeer sehen und waren zu einem großen Teil wahrscheinlich Vögel auf der Durchreise. Mit den Weideflächen auf den Deichen, Feuchtwiesen sowie Salzwiesen, gibt es vorm Wattenmeer viele passende Habitate für die Rast, aber auch für unsere Brutpopulation.

Als Lebensräume bevorzugen sie nämlich offene bis halboffene und strukturierte Landschaften wie Moore, Heiden, Weiden, Salzwiesen und Feuchtwiesen. Wiesenpieper sind in Europa eher Vögel des Nordens und treten südlich der Alpen immer seltener auf – außer bei der Überwinterung.

Quatschköpfe

Stare sind echte Spaßvögel: neben ihrem typischen Pfeifen und Rumgeknöter, lieben sie es Geräusche, die sie irgendwo aufgeschnappt und für gut befunden haben, wiederzugeben. Das sind sehr oft Vogelgeräusche, kann aber auch ansonsten alles mögliche sein. Quasi zum Standard-Repertoire der Imitationskünste gehört der Ruf des Mäusebussards.

Oft flattern sie beim Imitieren aufgeregt mit ihren kleinen Flügelchen, manchmal sitzen sie aber auch ruhig und weit abgespreizten Kehlfedern da. Folgend eine kleine Liste über Imitationen, die ich schon von Staren hören und eindeutig identifizieren konnte:

Vögel: Mäusebussard, Rotmilan Grünspecht, Buntspecht, Goldammer, Möwe, Amsel, Kohlmeise, Dohle, Kiebitz, Turmfalke, Pirol, Blässhuhn, Stockente, Rabenkrähe, Waldkauz, Mönchsgrasmücke,…

andere Geräusche: Mopedmotor (3 Stare zusammen), Froschquaken, Bremsgeräusch (Quitschen) vom Kran-Hub auf einem Industriegelände

(Fotos vom September ’21 am Wattenmeer)

Endlich hat’s geklappt: Kiebitz nah

Im September am Wattenmeer war klar, dass wir auch Kiebitze zu Gesicht bekommen würden – dass es dann so schön geklappt hat, war umso besser. Als Vogel, der ursprünglich die reich vorhanden Feuchtwiesen und Moore bewohnt hat, findet er dort ideale und mittlerweile selten gewordene Habitate zum Brüten, als auch zum Rasten. Die meisten Kiebitze sind nämlich Zugvögel und überwintern in den breiten des Mittelmeerraumes.

Dass bspw. in Emden die Tatsache von 93% Bestandsrückgang beim Kiebitz seit den 80ern genauso wenig ankam, wie das aktuelle Aussterben anderer Arten dieses Habitat-Typs oder es die Verantwortlichen einfach nicht interessiert, konnte man zuletzt deutlich sehen: Aus 77Ha wertvollen und mittlerweile seltenen Feuchtwiesen, soll das Neubaugebiet Conrebbersweg entstehen. Vom NABU gab es dafür den Negativpreis “Dinosaurier des Jahres”. Wie das mit deutschem und EU-Recht vereinbar sein soll, ist auch schwer nachzuvollziehen.

Als wären solche dauernden Lebensraumverluste nicht schon genug, hat der Kiebitz noch mit zig anderen menschengemachten Problemen zu kämpfen: -Intensive Landwirtschaft: brütet der Kiebitz auf Wiesen, überlebt die Brut die jährlich bis zu 5 oder 6 Mal stattfindende Mahd nicht; brütet er auf Ackerland, wird das Gelege von modernen Zuchtpflanzen in kürzester Zeit komplett dicht zugewachsen;

-Neozoene wie Waschbären sowie auch die mittlerweile extreme Anzahl von ca 20Mio Hauskatzen, bilden zu den bereits vorhanden natürlichen Bodenprädatoren (Fuchs bspw) einen unnatürlichen Prädationsdruck

-in Naturschutzgebieten oder Nationalparks, die die Möglichkeit zur Kiebitzbrut bieten, gibt es leider immer wieder uneinsichtige und unwissende Hundehalter, die ihre Hunde frei laufen lassen und damit die Brutpaare nachweisbar zum Brutabbruch zwingen

-wie im Beispiel erwähnt: massive Lebensraumverluste durch einen extremen Flächenverbrauch

Noch sind die Bestandszahlen ausreichend genug, um gegenzusteuern und eine genetische Vielfalt zu sichern. Bei anderen Arten ähnlicher Habitate ist es dafür, zumindest in Deutschland, schon zu spät geworden.

Diese schönen Gänse erwartet man im September am Wattenmeer

Diese Weißwangengänse konnte ich letzten September bei Deich(/Weide)wiesen am Wattenmeer, ihrem Überwinterungsgebiet, fotografieren. Sie werden auch Nonnengänse genannt und woher diese beiden Namen kommen, dürfte euch klar sein Etwas Verwechslungsgefahr besteht mit der Kanadagans, einer Art, die wie so viele andere, als Ziervogel in Parks und Zoos eingeführt wurde und mittlerweile verwildert ist.

Mit 750-800 Brutpaaren ist die Weißwangengans ein äußerst seltener Brutvogel in Deutschland, aber den Winter verbringen bis zu 475.000 Individuen, angereist aus ihren Brutgebieten in Grönland, Spitzbergen und der russischen Arktis, bei uns an den Küsten. Das entspricht ca 40% der weltweiten Population und unterstreicht einmal mehr die Bedeutung des Nationalparks Wattenmeer und Teil des UNSECO-Weltnaturerbes, für viele Vögel – selbst bei weltweiter Betrachtung.

PS: Wer entdeckt unter den Graugänsen die juvenile Blässgans? ;D

Wer hält denn da sein Köpfchen aus der Wiese?

Es ist die (Wiesen)Schafstelze! Aufgenommen auf den Deichwiesen am Wattenmeer im letzten September. Von unseren 3 heimischen Stelzenarten, hat die Schafstelze den kürzesten Schwanz und ist daher im schnellen Überflug nicht immer sofort zu erkennen. Dabei zeigt sie aber das typischen Flugmuster der Stelzen: Ein gerader Flug in “hüpfenden” Wellen, bei man oft ihre recht unauffälligen Ruflaute hören kann.

Jetzt im April ist die Zeit, wo sie wieder hier in ihren Brutgebieten ankommen, nachdem sie den Winter in Afrika, südlich der Sahara, verbracht haben.

Sturmmöwe im September

Diese adulte Sturmmöwe konnte ich im Überflug letzten September fotografieren. Dass dies kein Sommerbild ist, erkennt man auch am Gefieder des Vogels, da die Möwe hier ihr Schlichtkleid trägt. Im Gegensatz zum Prachtkleid wirken Kopf und Hals “schmutzig” gefleckt, der Schnabel ist matter gefärbt und hat einen schwarzen und dünnen schwarzen Ring im vorderen Drittel. Das Schlichtkleid der Sturmmöwe, insbesondere der Ring am Schnabel, führt unter ambitionierten Ornis dann hin und wieder zur Fehlbestimmung mit der Ringschnabelmöwe – ein seltener und im Schlichtkleid ähnlich aussehender Irrgast aus Nordamerika.

Mit ca 17.000 Brutpaaren in Deutschland ist sie etwas weniger stark vertreten als die verwandte Silbermöwe. Beide gehören, wie auch Steppen- Mittelmeer-, Mantel- und Heringsmöwe, zu den Großmöwen, also der Gattung Larus. Die Sturmmöwe ist dabei die kleinste der bei uns vorkommenden Großmöwen und von der Größe her zwischen Lachmöwe (andere Gattung) und Silbermöwe einzuordnen.